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Business

Zwischen Konsolidierung und digitalem Wandel

Der deutsche Bankensektor ist auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen. Die Einführung digitaler Innovationen ist dabei stark abhängig von der Akzeptanz beim Kunden.

Bild oben: (Foto: ©Eisenhans – stock.adobe.com)
Um den Ruf der Banken ist es nicht zum Besten bestellt, so scheint es zu­min­d­est. Tat­säch­lich hat das Im­age der Branche im Zuge der Fi­nanzkrise ab 2007 gelit­ten, doch von einem gravieren­den Ver­trauensver­lust kann keine Rede sein. Dies zeigt eine repräsen­ta­tive Studie des Markt­forschung­sun­terneh­mens GfK zum Ver­trauen der Deutschen in ihre Kreditin­sti­tute. Dem­nach haben 82 Prozent der Be­fragten eher Ver­trauen (42 Prozent) oder so­gar volles Ver­trauen (40 Prozent) zu ihrem Kreditin­sti­tut. Be­merken­sw­ert: Die ei­gene Mei­n­ung zu den Banken ist deut­lich pos­i­tiv­er (56 Prozent gut/sehr gut) als der von den Be­fragten wahrgenommene Ruf der Branche in der öf­fentlichen Mei­n­ung (26 Prozent gut/sehr gut).
Zehn Jahre nach dem Aus­bruch der Fi­nanzkrise hat der Bankensek­tor al­so schein­bar ver­lorenes Ver­trauen wied­er zurück­ge­won­nen. Die Her­aus­forderun­gen für die Fi­nanzbranche sind dessen ungeachtet weit­er­hin groß. Im ver­gan­ge­nen Jahr ist die Ge­samtzahl der Kreditin­sti­tute in Deutsch­land um 72 auf 1.888 In­sti­tute ge­sunken. Dies ent­spricht einem Rück­gang von 3,7 Prozent im Ver­gleich zum Vor­jahr. „Der Kon­so­li­dierungsprozess hat an Fahrt ge­won­nen“, sagt Dr. An­dreas Dom­bret, Vor­s­tands­mit­glied der Deutschen Bun­des­bank. „Dies ist ein klares Zeichen dafür, dass der Druck durch Wett­be­werb und Nie­drigzin­sum­feld weit­er hoch ist und die Banken sich ve­r­an­lasst se­hen, Kosten­struk­turen und Ver­trieb­swege auf den Prüf­s­tand zu stellen.“
Der Zwang zu sparen zeigt sich auch bei den Bank­filialen, deren Zahl die Branche in den ver­gan­ge­nen Jahren stark re­duziert hat. Die per­sön­liche Be­r­a­tung vor Ort hat bei den Deutschen aber weit­er­hin ei­nen ho­hen Stel­len­w­ert: In ein­er repräsen­ta­tiv­en Mei­n­ung­sum­frage der GfK zum On­line-Bank­ing in Deutsch­land wider­sprechen 86 Prozent der Be­fragten der Aus­sage, dass Banken heutzu­tage keine Filialen mehr bräucht­en. Bei die­sem The­ma beste­ht eine große Einigkeit zwischen Alt und Jung. Auch Tho­mas Sch­lüter, Leit­er der Kom­mu­nika­tions­abteilung beim Bun­desver­band deutsch­er Banken (BdB), rech­net nicht mit einem Ende der klas­sischen Bank­filiale. „Derzeit haben wir noch rund 32.000 Filialen in Deutsch­land. Es ist davon auszuge­hen, dass sich diese Zahl in den näch­sten Jahren re­duzieren wird. Haup­tur­sache ist das Kun­den­ver­hal­ten. Filialen wer­den weniger be­sucht, die Kun­den nutzen für Über­wei­sun­gen und den Zah­lungsverkehr lie­ber das On­line-Bank­ing. Die Banken reagieren da­rauf un­ter­schiedlich, ab­hängig von den jew­eili­gen Wün­schen ihr­er Kun­den. So gibt es beispiel­sweise zuneh­mend eine Spezial­isierung und Umges­tal­tung der Filialen. Ein Aus­lauf­mod­ell ist der Bank­ber­ater da­her derzeit nicht.“

Fi­nanzbranche set­zt auf Dig­i­tal­isierung

(Foto: ©Eisenhans – stock.adobe.com)
(Fo­to: ©Eisen­hans – stock.adobe.com)

In Zeit­en von staatlich­er Reg­ulierung und Nie­drig- bzw. Mi­nuszinsen sind Banken ver­stärkt auf der Suche nach neuen Geschäfts­mod­ellen. Ob Bank­ber­a­tung per Videokon­ferenz im Wohnz­im­mer, Bezahlen im Su­per­markt per Smart­phone oder On­line-Zin­s­por­tale, die es je­d­er­mann er­möglichen, sein Geld zu höheren Zinsen im Aus­land anzule­gen: Die Dig­i­tal­isierung verän­dert derzeit das Fi­nanzwe­sen. Auch wenn die Deutschen beim Geld generell et­was vor­sichtiger er­schei­nen als ihre eu­ropäischen Nach­barn. So hal­ten die Kun­den in Deutsch­land laut der GfK-Um­frage nicht nur an ihren Bank­filialen fest, son­dern sind auch be­son­ders skep­tisch, was die Daten­sicher­heit im In­ter­net an­be­langt. Darüber hi­naus bevorzu­gen die Deutschen noch im­mer kon­ven­tionelle Bezahl­meth­o­d­en. Die Banken müssen hi­erzu­lande al­so ei­nen Sp­a­gat wa­gen: Ein­er­seits ist eine tech­nol­o­gische Erneuerung zwin­gend ge­boten, an­der­er­seits dür­fen die­jeni­gen Kun­den nicht ver­schreckt wer­den, die dig­i­tale In­no­va­tio­nen nur in wohlbemesse­nen Dosen mit­machen wollen.
„Die dig­i­tale Trans­for­ma­tion wird den Bankensek­tor nicht vom Kopf auf die Füße stellen; die Grund­la­gen des Bankgeschäfts bleiben un­verän­dert. Dig­i­tal haben die meis­ten In­sti­tute in­zwischen ei­nen großen Sprung nach vorne ge­macht: Sie haben ihre Zu­gangswege mod­er­nisiert, neue, in Teilen von Fin­Techs en­twick­elte Lö­sun­gen in ihre Ange­bote einge­baut und den Ser­vice er­weit­ert. Flex­i­bil­ität und In­no­va­tion­skraft wer­den zuneh­mend als die Pa­ram­e­ter erkan­nt und gelebt, die für das Beste­hen in der dig­i­tal­en Welt von mor­gen unumgänglich sind“, erk­lärt Sch­lüter.
Bei allen Möglichkeit­en, die die Dig­i­tal­isierung den Banken bi­etet, bleibt die Ver­gabe von Krediten an Pri­vatkun­den und Un­terneh­men weit­er­hin eine zen­trale Auf­gabe der Geldin­sti­tute. Durch die fi­nanzielle Ver­sor­gung der Wirtschaft fördern die deutschen Kreditin­sti­tute In­vesti­tio­nen und die Schaf­fung von Ar­beit­s­plätzen in den Un­terneh­men. Im Jahr 2015 lag die Summe der Kredite an Un­terneh­men und Selb­st­ständige bei 1.314,2 Mil­liar­den Eu­ro. Im Jahr 2005 waren es noch 1.199,7 Mil­liar­den Eu­ro. Das zeigt, dass sich Un­terneh­men­skredite trotz al­ter­na­tiv­er For­men der Un­terneh­mens­fi­nanzierung wie Pri­vate Equi­ty, Un­terneh­men­san­lei­hen oder Crowd­fund­ing weit­er­hin großer Be­liebtheit er­freuen. Von den deutschen In­sti­tuten wer­den Un­terneh­men­skredite dabei vor allem vergeben von Sparkassen (27,5 Prozent), Kred­it­banken (26,0 Prozent), Kred­itgenossen­schaften (17,2 Prozent) und Lan­des­banken (14,4 Prozent).

Auswirkun­gen des Brex­it bleiben be­gren­zt


Der von Großbri­tan­nien beschlossene Aus­tritt aus der Eu­ropäischen Union hat auch in der Fi­nanzwelt für Un­ruhe ge­sorgt. Lon­dons Stel­lung als Eu­ro­pas Fi­nanz­platz Num­mer eins sei nun in Ge­fahr, pro­f­i­tieren kön­nte die deutsche Banken­land­schaft, hieß es in zahl­reichen Me­di­en. Für Michael Kem­mer, Haupt­geschäfts­führ­er des Banken­ver­ban­des, bleiben die un­mit­tel­baren Auswirkun­gen auf deutsche In­sti­tute aber be­gren­zt. „Das Kun­dengeschäft unser­er In­sti­tute wird durch den Brex­it nicht bee­in­flusst. Deutsche Banken wer­den in den näch­sten bei­den Jahren Geschäfte nach Deutsch­land ver­lagern, dies ist schon heute or­gan­isa­torisch rel­a­tiv ein­fach“, be­tont Kem­mer.
Der Banken­ver­band ge­ht davon aus, dass Lon­don auch weit­er­hin ein be­deu­ten­der Fi­nanz­platz bleibt. In­sofern sei kein voll­ständi­ger Rück­zug der In­sti­tute zu er­warten. „Das Vereinigte Köni­greich wird nach dem Aus­tritt den Sta­tus eines Dritt­lan­des er­hal­ten. Dies ist für unsere In­sti­tute nichts Ungewöhn­lich­es“, so Kem­mer. Und Tho­mas Sch­lüter ergänzt: „Wir be­dauern den Brex­it und hät­ten uns ei­nen an­deren Aus­gang des Ref­er­en­dums im Vereinigten Köni­greich gewün­scht. Nun gilt es, das Beste da­raus zu machen. Frank­furt ist dabei – als Sitz wichtiger eu­ropäisch­er fi­nanzpoli­tisch­er In­sti­tu­tio­nen, einge­bet­tet in eine starke Volk­swirtschaft mit einem sta­bilen Recht­s­rah­men und ho­her In­no­va­tion­skraft – als konti­nen­taler EU-Part­n­er von Lon­don ger­adezu prädes­tiniert.“ Wie die Ver­hand­lun­gen zwischen der Eu­ropäischen Union und Großbri­tan­nien let­ztlich aus­ge­hen, ob har­ter oder weich­er Brex­it, der Banken­ver­band er­wartet ins­ge­samt nur geringe Auswirkun­gen auf das Wach­s­tum und die Beschäf­ti­gung in Deutsch­­­land. Alexan­der Kirsch­baum | re­dak­tion@rhein-wup­per-manger.de

Ausgabe 07/2017



WEITERE INHALTE

Michael Kemmer, Hauptgeschäfts­führer des Bankenverbandes
Michael Kemmer, Hauptgeschäfts­führer des Bankenverbandes