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Business

Vernetzt im Büro

An keinem verschmelzen Online- und Offline-Welt subtiler als im Büro. Damit steigen auch die Anforderungen an die Büroeinrichtung.

Bild oben: Drei Personen sitzen, eine steht: ein Beispiel für modernes Arbeiten im Büro
Auf die Frage nach den Zukunft­strends in sein­er Branche ant­wortet Tho­mas Jünger mit drei Sch­lag­wörtern: „Ver­net­zung. In­spi­ra­tion. Mi­tar­beiterbin­dung.“ Zunächst ein­mal beschäftige die Branche der Um­gang mit neuen Kom­mu­nika­tion­stech­nolo­gien, so der Geschäfts­führ­er des In­dus­trie­ver­bands Büro und Ar­beitswelt e. V. (IBA). Diese eröffneten in­teres­sante Spiel­räume für Ko­op­er­a­tio­nen über Un­terneh­mens­grenzen hi­naus. Die Er­fahrung zeige je­doch, dass diese dig­i­tale Ver­net­zung um­so ef­fizien­ter ist, je stärk­er sie durch per­sön­liche Zusam­me­nar­beit be­gleit­et wird. „Noch ste­ht dabei die Ver­net­zung in­n­er­halb der Un­terneh­men im Vorder­grund. Bei der En­twick­lung neuer Bürokonzepte acht­en unsere Mit­glied­sun­terneh­men aber bere­its heute da­rauf, dass diese auch eine Ver­net­zung über die Un­terneh­mens­grenzen hi­naus zu­lassen.“ Außer­dem ge­he es darum, sich als at­trak­tiv­er Ar­beit­ge­ber zu präsen­tieren, denn der Wett­be­werb um qual­i­fizierte Ar­beit­skräfte werde zuneh­men. Und das Ar­beit­sum­feld sei, wie ein­sch­lägige Be­fra­gun­gen gezeigt hät­ten, ein gutes Ar­gu­ment.

Ort­sun­ab­hängige Ar­beits­for­men

Drei Personen sitzen, eine steht: ein Beispiel für modernes Arbeiten im Büro
Drei Per­so­n­en sitzen, eine ste­ht: ein Beispiel für mod­ernes Ar­beit­en im Büro

Jüngers Aus­sage nach wird die stei­gende Nach­frage nach neuen Büro- und Ob­jek­tein­rich­tun­gen von zwei Fak­toren bes­timmt. „Ein­er­seits von der Tat­sache, dass mittler­weile jed­er zweite Er­werb­stätige in Deutsch­land ‚im Büro‘ ar­beit­et, und an­der­er­seits durch die grundle­gende Verän­derung dies­er Büroar­beit.“ Die Dig­i­tal­isierung und die Glob­al­isierung er­möglicht­en ver­net­zte, teil­weise ort­sun­ab­hängige Ar­beits­for­men. Gleichzeitig wür­den Pro­dukte kom­plex­er, „weil Of­f­line- und On­line-Wel­ten ver­sch­melzen“. Damit verän­derten sich natür­lich auch die An­forderun­gen an das Ar­beit­sum­feld. „Als Beispiel wären hi­er zusät­zliche Kom­mu­nika­tion­s­zo­nen und Räume für Work­shops und Pro­jek­tar­beit zu nen­nen“, sagt Jünger. Und auch der klas­sische Schreibtischar­beit­s­platz verän­dere sich. „Hi­er ge­ht es heute vor allem darum, für aus­reichend Be­we­gung zu sor­gen, und durch er­gonomische Tische und Stüh­le dafür zu sor­gen, dass die Beschäftigten nicht durch Rück­en­sch­merzen oder an­dere Besch­w­er­den im Muskel-Skelett-Sys­tem beein­trächtigt wer­den.“
Deswe­gen ist auch der Schreibtisch in­zwischen „in­tel­li­gen­t“ ge­wor­den. „Der lässt sich näm­lich nicht nur in der Höhe ver­stellen, er sagt seinem Nutz­er auch, wenn es Zeit ist, mal wied­er aufzuste­hen und für ein bisschen Be­we­gung zu sor­gen.“ Wom­it man beim Stich­wort Dig­i­tal­isierung wäre. Der Ver­band­schef bezeich­net sie als „die Vo­raus­set­zung für Ver­net­zung und neue Ar­beits­for­men bei unseren Kun­den“. Sie habe aber auch di­rek­ten Ein­fluss auf „unsere ei­gene Ar­beit“. Denn Mö­bel made in Ger­many seien in­ter­na­tio­n­al un­ter an­derem de­shalb so ge­fragt, weil die Mit­glied­sun­terneh­men das tra­di­tionell ho­he Qual­ität­s­niveau mit maßgesch­nei­derten Pro­duk­ten und Los­größe-1-Fer­ti­gung verbin­den kön­n­ten. Ba­sis sei eine in­tel­li­gente Kom­bi­na­tion aus hand­w­erk­lich­er Fer­ti­gung und weit­ge­hend au­to­ma­tisiert­er Pro­duk­tion. „Darüber hi­naus be­tracht­en wir die Ein­rich­tung längst als Ganzes, das aus Mö­beln, raum­bil­den­den El­e­men­ten, Kom­mu­nika­tionssys­te­men und bei Be­darf auch aus‚ Raum­buchungs­tools‘ beste­ht.“
In­teres­sant sind die bish­eri­gen Ergeb­nisse ein­er aktuellen IBA-Markt­forschungs­rei­he. Un­ter dem Ti­tel „Wohlfühl­büro“ ge­ht es dabei um die Wün­sche der Beschäftigten. Ein wichtiger Punkt ist dem­nach, dass die jew­eilige Umge­bung zur Ar­beit­sauf­gabe passt. Dabei spielt Ruhe (oder „zu­min­d­est Räume mit einem gleich­mäßi­gen Geräusch­feld“) für konzen­tri­erte Einze­lar­beit eine wesentliche Rolle. Not­falls bleibe man dafür auch mal länger im Büro, um die ruhi­gen Stun­den am Abend zu nutzen. Ohne Kol­le­genge­spräche und Tele­fonge­dudel, ließe sich hi­er ver­mut­lich noch ergänzen. Densel­ben ho­hen Stel­len­w­ert messen die be­fragten Beschäftigten Or­ten bei, an de­nen sie „in­teres­sante Men­schen tr­ef­fen kön­nen“. Be­son­ders be­liebt seien Büros mit einem Aus­blick in die Na­tur oder auf eine at­trak­tive Stadt­land­schaft. „In ein­er Sache sind sich alle Be­fragten einig: Ideale Räume bi­eten viel Platz und viel Licht“, heißt es vom IBA.

Branche mit 12.000 Beschäftigten

Sieht nicht wie Arbeit aus, ist es aber: Kommunikation in entspannter Atmosphäre (Foto: IBA)
Sie­ht nicht wie Ar­beit aus, ist es aber: Kom­mu­nika­tion in ents­pan­n­ter At­mo­sphäre (Fo­to: IBA)


Vom Ge­fühl zu den harten Zahlen: Die all­ge­meine Stim­mungs­lage in der Branche müsste den Aus­sa­gen von Tho­mas Jünger zu­folge pos­i­tiv sein. „Mit rund 12.000 Beschäftigten pro­duzieren die deutschen Büro- und Ob­jekt­mö­bel­her­steller Ein­rich­tungs­ge­gen­stände im Wert von 2,3 Mil­liar­den Eu­ro pro Jahr. Hinzu kom­men Um­sätze mit Be­r­a­tungs-, Pla­nungs- und Ser­viceleis­tun­gen. Bei­des, Mö­bel und Di­en­stleis­tun­gen, er­freuen sich nun schon im vierten Jahr in Folge ein­er stei­gen­den Nach­frage. Aktuell liegt die Branche bei einem Plus von vi­er Prozent ge­genüber dem Vor­jahr.“ Dabei sei die deutsche Büro- und Ob­jek­tein­rich­tungsin­dus­trie eine mit­tel­ständisch geprägte Branche mit ins­ge­samt knapp hun­dert Un­terneh­men. Neben Gen­er­al­is­ten, die kom­plette Büro­land­schaften ein­richt­en kön­n­ten, gebe es zahl­reiche spezial­isierte Un­terneh­men, die sich beispiel­sweise auf er­gonomisch­es Sitzen oder auf Ein­rich­tun­gen für Kom­mu­nika­tions­bereiche konzen­tri­erten.
In­ter­na­tio­n­al hät­ten die deutschen Büromö­bel­her­steller schon im­mer eine starke Po­si­tion ge­habt. „Diese äußert sich nicht nur in den Ex­porten, son­dern auch bei der En­twick­lung von Pro­duk­ten und Ein­rich­tungskonzepten. Vie­les ent­ste­ht hi­er in Deutsch­land und wird dann für an­dere Märkte adap­tiert. Sicht­bar wird dies un­ter an­derem bei der OR­GATEC.“ Die in­ter­na­tio­nale Leitmesse für mod­erne Ar­beitswel­ten, die im­mer in ger­a­den Jahren in Köln stattfin­d­et, sei Anzie­hungspunkt für Aussteller und Be­such­er aus der ganzen Welt, die sich dort über die neuesten Trends in­for­mierten. Daniel Boss | re­dak­tion@rhein-wup­per-manger.de

Ausgabe 07/2017



WEITERE INHALTE

Thomas Jünger ist Geschäftsführer des Industrieverbands Büro und Arbeitswelt e. V. (IBA)
Thomas Jünger ist Geschäftsführer des Industrieverbands Büro und Arbeitswelt e. V. (IBA)