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Business

Neue Geschäftsmodelle

Was Sie im Rahmen der digitalen Strategie umsetzen und beachten sollten.

Bild oben: Foto: © magele-picture – stock.adobe.com
Ob Sale im On­line-Shop, Cloud-ges­teuerte Pro­duk­tion oder Da­te­n­a­nal­yse in Echtzeit – die Dig­i­tal­isierung of­fen­bart sich für jedes Un­terneh­men in einem an­deren Licht und ist für jede Branche von an­der­er Be­deu­tung. Ein Beispiel: Während deutsche Un­terneh­men aus der Fer­ti­gungsin­dus­trie sowie Di­en­stleis­ter die Dig­i­tal­isierung für sehr wichtig er­acht­en, be­greift im Baugewerbe nur jedes fünfte Un­terneh­men die Dig­i­tal­isierung als Chance. Zu die­sem Ergeb­nis ka­men 2016 die Deutsche Telekom und Tech­con­sult mit ihr­er Studie „Dig­i­tal­isierungsin­dex“. Dabei ist heute unbe­strit­ten, dass die dig­i­tale Trans­for­ma­tion zusam­men mit der fortschrei­t­en­den Glob­al­isierung längst zu einem der wichtig­sten Er­fol­gs­fak­toren für die Wirtschaft und insbe­son­dere den Mit­tel­s­tand ge­wor­den ist. Die Dig­i­tal­isierung lässt neue Geschäfts­mod­elle ent­ste­hen, bringt neue Tech­nolo­gien mit sich und verän­dert dabei ganze Wertschöp­fungs­ket­ten oder Or­gan­i­sa­tio­nen. Um Schritt mit beste­hen­den oder neuen Wett­be­wer­bern zu hal­ten, müssen Un­terneh­men da­her ihre Strate­gie über­prüfen und diese um neue As­pekte der Dig­i­tal­isierung er­weit­ern. Dies haben wir bere­its hin­reichend im er­sten Bei­trag unser­er Se­rie mit der Frage nach dem Warum beant­wortet. In unserem zweit­en Bei­trag möcht­en wir uns nun näher mit dem Was beschäfti­gen.

CPS, In­ter­net of Things und Big Da­ta

Foto: © magele-picture – stock.adobe.com
Fo­to: © magele-pic­ture – stock.adobe.com

Haben Sie sich erst ein­mal dazu entschie­den, In­dus­trie 4.0 und die Dig­i­tal­isierung in Ihrem Un­terneh­men und in Ihren Pro­duk­ten oder Di­en­stleis­tun­gen zu in­te­gri­eren, so soll­ten Sie sich zunächst mit deren Grund­la­gen und Ein­satzmöglichkeit­en beschäfti­gen. Die drei grundle­gen­den An­sätze hi­erzu, die Ih­nen er­ste Ant­worten auf das Was lie­fern wer­den, fin­d­en sich in den The­men Big Da­ta, In­ter­net der Dinge sowie cy­ber-ph­y­sische Sys­teme.
Cy­ber-ph­y­sische Sys­teme (CPS) sind – in ihr­er Ei­gen­schaft als einge­bet­tete Sys­teme – durch die Verbin­dung real­er Maschi­nen oder Pro­dukte mit der dig­i­tal­en bzw. virtuellen Welt gekennzeich­net. Sie kön­nen dabei via dig­i­taler Sch­nitt­stellen in in­terne, ex­terne, lokale, globale, of­fene oder geschlossene Kom­mu­nika­tion­s­netze einge­bun­den sein. CPS er­fassen dabei die Umwelt mit­tels Sen­soren, geben Dat­en weit­er oder werten diese gleich aus und sind in der Lage, auf ihre Umwelt zu reagieren. So kön­nen Speicher­box­en im Rah­men eines Lager­sys­tems selb­st­ständig ihren In­halt überwachen und bei Be­darf ei­nen au­to­ma­tischen Bestel­lvor­gang ini­tiieren. CPS haben den Vorteil, dass sie in Form von in­tel­li­gen­ter Ver­net­zung, kurz: In­ter­net of Things (IoT), zahl­reiche weitere Nutzungs­möglichkeit­en, wie Smart Mo­bil­i­ty, Smart Grid und Smart Build­ings, bi­eten oder gleich ganze Smart Fac­to­ries an­treiben. Beim IoT han­delt es sich um ein Net­zw­erk in­tel­li­gen­ter Ob­jekte, die über das In­ter­net auf Dat­en zu­greifen und mitei­nan­der kom­mu­nizieren. Das IoT ist damit eine per­fekte Ergänzung zu CPS und eine der wichtig­sten Kom­po­nen­ten im Bezug zum Men­schen. Denn die Idee des IoT liegt darin, den Men­schen bei sein­er Ar­beit und in allen weit­eren Lebens­bereichen zu un­ter­stützen. Schon heute zählt das US-amerikanische Markt­forschung­sun­terneh­men Gart­n­er rund 8,4 Mil­liar­den Geräte und Maschi­nen, die per In­ter­net mitei­nan­der ver­bun­den sind. Bis zum Jahr 2020 sollen es über 20 Mil­liar­den sein.
So viele Geräte sam­meln natür­lich auch un­zäh­lige Daten­men­gen, die durch Sen­soren, aber auch eingepflegte Dat­en, wie Adressen, Kon­tonum­mern, Kon­takte etc. weit­er aufge­bläht wer­den. Hinzu kom­men noch In­for­ma­tio­nen aus Such­maschi­nen oder So­cial Me­dia. Das ganze Pot­pour­ri wird un­ter dem Sch­lag­wort „Big Da­ta“ sub­su­miert. Big Da­ta be­deutet, dass große Men­gen an Dat­en mit großer Gesch­windigkeit und in ver­schie­den­sten For­men auftreten und dass diese dank neuester Tech­nolo­gien und Anal­y­se­tools so­gleich ge­speichert, ve­rar­beit­et und aus­gew­ertet wer­den kön­nen. Welch­er Nutzen sich dabei ergibt, lässt sich ganz ein­fach am Beispiel des Dy­nam­ic Pric­ing – ein­er Verkaufss­trate­gie, bei der Preise auf Ba­sis von Big-Da­ta-Ausw­er­tun­gen ange­passt wer­den – verdeut­lichen. Dy­nam­ic Pric­ing ori­en­tiert sich an Preisen der Wett­be­wer­ber, Ab­verkauf­szahlen oder Pro­dukt­be­w­er­tun­gen und kann dabei auf eine Pro­dukt­gruppe oder so­gar auf ei­nen einzel­nen Kun­den abges­timmt wer­den. On­line-Händler wie Ama­zon nutzen Dy­nam­ic Pric­ing bere­its seit 2005.

Hor­i­zon­tale und ver­tikale Ver­net­zung


Sie se­hen an dies­er Stelle, dass allein die Grund­la­gen der Dig­i­tal­isierung eine Vielzahl von Möglichkeit­en für Ihr Un­terneh­men berei­thal­ten. Eine pauschale Aus­sage, was Sie nun konkret im Rah­men Ihr­er dig­i­tal­en Strate­gie um­setzen soll­ten, kann man dabei nicht tr­ef­fen. Sind Sie z.B. ein Pro­duk­tion­sun­terneh­men, so wer­den Sie eine an­dere dig­i­tale Strate­gie um­setzen müssen als ein Di­en­stleis­tung­sun­terneh­men. Auch die Größe Ihres Un­terneh­mens und Ihre Ei­nord­nung in der Wertschöp­fungs­kette, ob Sie ein Lie­fer­ant, Pro­duzent oder Ab­neh­mer sind, sind von großer Be­deu­tung. Und geben Sie Obacht, denn im Zuge der Dig­i­tal­isierung beste­ht von­seit­en des Ma­n­age­ments im­mer die Ge­fahr, dass sich eine dig­i­tale Strate­gie sehr auf die IT-Abteilung konzen­tri­ert. Selb­stver­ständlich hat die IT-Abteilung eine Sch­lüs­sel­po­si­tion bei der Dig­i­tal­isierung Ihres Un­terneh­mens, aber sie ist in die­sem Fall nur ein Un­ter­stütz­er und En­abler (Möglich­mach­er). Das sie­ht man sehr schön am Beispiel eines pro­duzieren­den Un­terneh­mens, bei dem die Dig­i­tal­isierung neben der hor­i­zon­tal­en Ver­net­zung von Maschi­nen in Wertschöp­fungs­ket­ten auch ver­tikal den Shopfloor mit dem Of­fice­floor verbin­det. Die Ver­net­zung von Lei­tungsauf­gaben im Fer­ti­gungs­bereich und dem Ma­n­age­ment in ad­min­is­tra­tiv­en Bereichen er­leichtert nicht nur die in­terne Kom­mu­nika­tion, sie bildet auch die Ba­sis für den ef­fizien­ten Aus­tausch von Dat­en zwischen in­ter­nen und ex­ter­nen Ak­teuren, Maschi­nen und Werkzeu­gen. Hor­i­zon­tale und ver­tikale Ver­net­zung im Un­terneh­men sind es­senziell für eine er­fol­greiche Dig­i­tal­isierung.

Dig­i­tale und klas­sische Ver­triebsstruk­turen verbin­den


Dig­i­tal­isierung soll­ten Sie im­mer dort be­treiben, wo sie Ih­nen auch ei­nen deut­lichen Nutzen bringt. Auch soll­ten Sie bei der Dig­i­tal­isierung da­rauf acht­en, nicht gleich das Kind mit dem Bade auszuschüt­ten. Nur weil Sie endlich ei­nen On­line-Shop haben und Dy­nam­ic Pric­ing nutzen, heißt das nicht, dass Sie Ihr nor­males Ver­trieb­s­netz zurück­fahren dür­fen. Sie müssen im Ge­gen­teil das beste­hende klas­sische Ver­trieb­s­netz durch den On­line-Ka­nal ergänzen und so Ihren Kun­den die Möglichkeit geben, den für sie an­genehm­sten Weg zu fin­d­en. So möchte Ihr Kunde z.B. eine neue Mas­chine kaufen und braucht dafür eine spezielle Be­r­a­tung. In die­sem Fall kann er sich on­line in­for­mieren oder an Ihren Fachver­trie­bler wen­den. Vielleicht möchte er aber auch in ein­er Ihr­er Filialen aus­führ­lich be­r­at­en wer­den. Braucht der Kunde nun im An­sch­luss Er­satzteile oder Ver­brauchs­güter für seine Mas­chine, dann ist es für ihn eventuell völ­lig aus­reichend, wenn er diese über ein On­line-Por­tal bestellen kann. So wird ihm die Nachbestel­lung be­son­ders ein­fach ge­macht und Sie ver­di­e­nen weit­er­hin an Ser­vice oder War­tung. Zusam­men­fassend lässt sich fes­thal­ten, dass die Dig­i­tal­isierung – mit ihrem primären At­tribut der in­tel­li­gen­ten Ver­net­zung – ein Mo­tor für Wach­s­tum und Wohl­s­tand sein kann. Auch kön­nen Un­terneh­men mit ihr­er Hilfe neue Pro­dukte und Di­en­stleis­tun­gen en­twick­eln oder beste­hende an neue Kun­denbedürfnisse an­passen. Dig­i­tal­isierung birgt zu­dem die Möglichkeit, neue Kun­den zu gewin­nen oder Kostensenkun­gen zu re­al­isieren.

An­dré Sarin | re­dak­tion@rhein-wup­per-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 06/2017