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Management

Transformation? Ohne mich!

Julia Dombrowski bewundert die Widerständler gegen die digitale Transformation. Halten sie die Macht der Maschinen auf?

Bild oben: (©Weissblick - stock.adobe.com)
„Ter­mi­na­tor“ hätte uns eine War­nung sein kön­nen: Die Maschi­nen überneh­men die Weltherrschaft. Wenn mod­erne Au­tos sich mit päd­a­g­o­gisch­er Strenge weigern, den Mo­tor zu starten, weil der Fahr­er noch nicht angesch­nallt ist, liegt die Frage na­he: Fängt’s jet­zt al­so an? Jed­er Kaf­feevol­lau­to­mat hat heute mehr Macht als seine Be­di­en­er: „Ich will jet­zt gereinigt wer­den! Ich will eine War­tung!“ Was soll man dem denn ent­ge­gensetzen?
Die ganze Welt beugt sich der Tech­nolo­gie. Die dig­i­tale Trans­for­ma­tion ist unaufhalt­sam. Oh, Mo­ment, wirk­lich die ganze Welt? Nein, ein Buch­hal­ter beugt sich als Einzelkämpfer der Über­macht. Sein Un­terneh­men ist längst schon dig­i­tal trans­for­miert: Am Ein­gang wird jed­er Mi­tar­beit­er na­mentlich auf dem Flatscreen be­grüßt, sobald er sei­nen Chip zur Zeit­er­fas­sung ans Le­segerät hält. Kun­den­fra­gen beant­wortet das Un­terneh­men auf dig­i­talem Weg via Face­book. Sämtliche Daten­men­gen, die über die Jahre ent­s­tan­den sind, wer­den heute in der Cloud ge­speichert, ir­gend­wo im Nir­gend­wo des dig­i­tal­en Zei­tal­ters. Und selb­stver­ständlich wis­sen die Jalousien vor den Büro­fen­stern von selbst, wann sie sich zu öff­nen und zu sch­ließen haben. So­gar die Zim­mer­pal­men haben Angst, in na­her Zukunft durch dig­i­tale Konkur­ren­ten erset­zt zu wer­den. Und uns­er einzel­n­er trotziger Wider­s­tand­skämpfer, was macht der? Er weigert sich hart­näckig, einge­hende Rech­nun­gen zu be­gleichen, solange sie nicht als Aus­druck vor ihm lie­gen. Ein Aus­druck, der vom ein­reichen­den Mi­tar­beit­er per­sön­lich und hand­schriftlich un­ter­schrieben zu sein hat. Pa­pier­los­es Büro? Dass er nicht lacht! Was er nicht an­fassen kann, ist auch nicht zu bezahlen.
Kein Fle­hen hilft, kein Bet­teln. „Wir sind doch dig­i­tal trans­for­miert …“ „Kein Aus­druck, keine Über­wei­sung!“ Für die Römer war das kleine gal­lische As­ter­ix-Dorf mit Sicher­heit ein pein­lich­es Tabu-The­ma, über das sie bei Fam­i­lien­tr­ef­fen lie­ber sch­wie­gen. So ähn­lich hält man den Buch­hal­ter ge­heim, der mit sein­er uner­bittlichen Weigerung, eine dig­i­tale Rech­nung zu akzep­tieren, das Konzept des Un­terneh­mens 4.0 ad ab­sur­dum führt. Und was soll man dage­gen tun? Man kann un­möglich ent­n­ervt ei­nen Buch­hal­ter ent­lassen. Buch­hal­ter sind im­mer die Per­so­n­en im Un­terneh­men, die das de­likate Hin­ter­grund­wis­sen haben. In min­destens einem Un­terneh­men die­s­es Lan­des gibt es ex­akt diese Art Buch­hal­ter mit ex­akt dies­er Form von Wider­s­tands­geist – das ist durch per­sön­lichen Kon­takt belegt. Die Dunkelz­if­fer in Deutsch­land ist garan­tiert groß: Dig­i­tal trans­for­mierte Un­terneh­men sprechen ein­fach nicht gern über die Sabo­teure, die ihre No­tizen im­mer noch lie­ber auf Post-its als in die Com­put­er-Cloud schreiben. Die passen so wenig ins Ge­samt­bild des mod­er­nen Un­terneh­mergeists wie eine ge­häkelte Klo­pa­pier­hülle auf der Kun­den­toi­lette der Ap­ple-Zen­trale.
Ir­gend­wie ist es schön, dass ein paar Konser­va­tive das Unaufhalt­same ver­langsa­men. Schon heute wer­den je­den Tag dop­pelt so viele Smart­phones pro­duziert wie Babys ge­boren. Längst nicht an­näh­ernd so viele Men­schen, die ein Handy be­sitzen, be­sitzen auch eine Zahn­bürste. Wir wis­sen seit „Ter­mi­na­tor“, dass die Maschi­nen die Macht sowie­so überneh­men wer­den – macht doch nichts, wenn das dank ei­gensin­niger Buch­hal­ter ein paar Tage später passiert als vorge­se­hen.

Ju­lia Dom­brows­ki | re­dak­tion@rhein-wup­per-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 06/2017



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