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Business

Nicht nur auf dem Dach eine gute Figur

Das Dachdeckerhandwerk ist sehr vielseitig und profitiert stark vom aktuellen Bau-Boom. Viele Unternehmen klagen über Nachwuchsmangel und fehlende Fachkräfte.

Bild oben: (Foto: © photo 5000 _stock.adobe.com)
„Dachdeck­er machen mehr, als ein­fach nur auf dem Dach herumzu­tur­nen“, sagt Har­ald Sie­bert, Abteilungsleit­er Presse- und Öf­fentlichkeit­sar­beit der Baugewer­blichen Ver­bände Nor­drhein-West­falen, et­was ketz­erisch. „Der Beruf ist sehr viel­seitig und hat einiges zu bi­eten.“ Der Berufs­s­tand sorgt in für wind- und wet­ter­feste Ge­bäude: Neben dem Deck­en und Ab­dicht­en von Däch­ern mit un­ter­schiedlich­sten Ma­te­rialien ge­hört auch das Ei­nar­beit­en von Dämm­stof­fen, das Er­richt­en von Bl­itz­ableit­ern und Außen­wand­bek­lei­dun­gen, der Ein­bau von Dach­fen­stern und So­larzellen sowie das Bauen von Dach­stühlen und Un­terkon­struk­tio­nen zum Tätigkeits­feld. Die Ar­beit des Dachdeck­ers be­gin­nt bere­its im Keller eines Ge­bäudes, wo das Bauw­erk ge­gen Feuchtigkeit und Grund­wass­er abgedichtet wer­den muss. Als Fach­leute in der Be­r­a­tung sind die Ex­perten der Branche kaum wegzu­denken bei en­er­getischen Sanierun­gen und dem Ausschöpfen ent­sprechen­der För­der­mit­tel. Auch vor tech­nischen Neuerun­gen macht der Berufs­s­tand nicht halt: Der Ein­satz von Droh­nen oder die dig­i­tale Mod­el­lierung von Ge­bäude­dat­en wer­den künftig mehr und mehr die Ar­beit der Dachdeck­er bes­tim­men.
Im Einzugs­ge­bi­et des Dachdeck­er-Ver­bands Nor­drhein ex­istieren rund 2.400 Be­triebe mit fast 9.000 Beschäftigten, darun­ter et­wa 1.500 Auszu­bil­dende. Nach An­gaben des Ver­ban­des zei­gen diese Zahlen aber seit Jahren ei­nen leicht sink­en­den Trend. Die Un­terneh­men er­wirtschaften laut Zahlen des West­deutschen Hand­w­erk­skam­mer­tages ei­nen durch­sch­nittlichen Jahre­sum­satz von 600.000 Eu­ro. Ins­ge­samt se­hen die Dachdeck­er die Kon­junk­tur­lage als durchgängig gut an. „Das trifft sich­er nicht auf alle Be­triebe zu, aber in der Breite wird die Lage pos­i­tiv be­w­ertet“, sagt Sie­bert. Auch die Aus­sicht­en für die Zukunft be­w­erten die meis­ten Un­terneh­men op­ti­mis­tisch, werde doch auch diese Branche von den kon­junk­turell be­d­ingten Bautätigkeit­en pro­f­i­tieren: „Wo im Früh­jahr und Som­mer Ro­h­baut­en er­stellt wer­den, sind spätestens im Herbst die Dachdeck­er ge­fragt. Ger­ade im Woh­nungs­bau sind die Zukunft­saus­sicht­en zurzeit sehr gut, derzeit wer­den viele neue Bau­geneh­mi­gun­gen erteilt.“ Der Man­gel an Mi­tar­beit­ern, Fachkräften und Nach­wuchs ist bei den Dachdeck­ern schon jet­zt zu beobacht­en. Je nach Be­trieb sind die Sch­wierigkeit­en zwar un­ter­schiedlich aus­geprägt, aber generell muss sich die Branche ak­tiv damit au­sei­nan­dersetzen. Dabei spielt so­wohl die Al­terung der beste­hen­den Mi­tar­beit­er eine Rolle wie auch die Tat­sache, dass es an Nach­wuchs fehlt. „Oft­mals führen wir das auch auf die Un­wis­sen­heit zurück, wie vielfältig der Beruf des Dachdeck­ers ist.“

Nach­wuchs-Sor­gen

(Foto: © photo 5000 _stock.adobe.com)
(Fo­to: © pho­to 5000 _stock.adobe.com)

Wie in vielen an­deren Branchen ist auch in der Dachdeck­erzunft die Suche nach Auszu­bil­den­den ein Problem. Die baugewer­blichen Ver­bände un­ter­stützen ihre Mit­glied­er da­her mit ein­er Ver­bandsini­tia­tive. „Das fängt an beim Bun­desver­band, der ger­ade eine neue In­ter­net­seite für ju­gendliche Ziel­grup­pen ein­gerichtet hat, und ge­ht bis in die Lan­desver­band­sebe­nen hinein“, sagt Sie­bert. „Generell wer­den die Be­triebe mit Know-how un­ter­stützt, wenn es um das Be­mühen um Nach­wuch­skräfte ge­ht.“ Es gebe in­zwischen so­gar schon einzelne Dachdecker­be­triebe, die in die Kin­dergärten hineinge­hen und dort den Jüng­sten bere­its das Spek­trum des Berufs näher­brin­gen – in der Hoff­nung, dass von den In­for­ma­tio­nen et­was „hän­gen“ bleibt und die Kin­der als Ju­gendliche sich dann noch daran erin­n­ern, wenn sie weit­er Berührungspunkte mit die­sem Hand­w­erk haben. Doch das Rin­gen um den Nach­wuchs ist nicht die einzige „Baustelle“, wenn es um Fachkräfte ge­ht. Auch ei­gene Mi­tar­beit­er zu hal­ten ist für die Be­triebe vor Ort wichtig. Hi­er un­ter­stützt der Ver­band beispiel­sweise mit Sem­inaren zur Ge­sund­heits­förderung und -er­hal­tung.

Ver­läss­lichkeit ge­fordert

(Foto: ©mhp _stock.adobe.com)
(Fo­to: ©mhp _stock.adobe.com)


Auch einige poli­tische The­men beschäfti­gen die Dachdeck­er: „Die Gewer­be­treiben­den – und damit nicht nur die Dachdeck­er –
wün­schen sich ganz all­ge­mein eine et­was ver­läss­lichere Pol­i­tik. Das Prinzip ‚Rein in die Kartof­feln, raus aus den Kartof­feln‘ ist wenig förder­lich und sorgt für große Un­sicher­heit­en.“ Als Beispiele nen­nt Har­ald Sie­bert die Diskus­sion um die blaue Plakette für Pkw und die Sty­ro­por-Ent­sor­gung. Von Ein­schränkun­gen für Die­se­lau­tos wäre das Dachdeck­er­hand­w­erk mas­siv be­trof­fen. „In vielen Fahrzeugseg­men­ten gibt es gar keine Al­ter­na­tiv­en. Und wenn die Be­triebe ihre Kun­den nicht mehr er­reichen kön­nen, ist das für viele Seit­en ein echt­es Problem.“ Man mache sich in der Branche schon in­ten­sive Ge­danken, wie die En­twick­lung an dies­er Stelle weit­erge­ht. Die Än­derun­gen für die Bes­tim­mun­gen zur Ent­sor­gung von Ge­fahrstof­fen hat dazu ge­führt, dass bes­timmte im Dämm­schutz ver­wen­dete Stoffe plöt­zlich als ge­fähr­lich­er Ab­fall eingestuft wur­den und nicht mehr auf bish­er üblichen We­gen ent­sorgt wer­den kon­n­ten. Das Problem tauchte Ende 2016 auf: Die Mül­lver­bren­nungsan­la­gen nah­men das Ma­te­rial nicht mehr an, ge­lagert wer­den durften die Stoffe aber auch nicht. „Das war quasi ein Verse­hen der Pol­i­tik, weil die Aus­deh­nung der Bes­tim­mun­gen so gar nicht über­blickt wor­den war. Sie wurde erst mal für ein Jahr aus­ge­set­zt, aber das The­ma kön­nte erneut auf uns zukom­men.“ Sie­bert hofft, dass hi­er möglichst bald eine Lö­sung ge­fun­den wird, auf die sich dann alle Seit­en ver­lassen kön­nen. Im März die­s­es Jahres grün­dete sich die „Ak­tions­ge­mein­schaft zur Ent­sor­gung von HBCD-halti­gen Dämm­stof­fabfäl­len“ (AG EH­DA) mit dem Ziel, sich für eine ver­läss­liche Ent­sor­gung dies­er Abfälle einzusetzen. 17 Ver­bände sind der Ge­mein­schaft beige­treten. „Wir freuen uns sehr, dass das leidige Ent­sor­gungs­the­ma jet­zt auch von an­deren Ver­bän­den und der In­dus­trie aufge­grif­f­en wurde. Als AG EH­DA haben wir mehr Sch­lagkraft und hof­fen auf eine rasche Um­set­zung unser­er Forderung nach Rück­nahme der Ein­stu­fung als ge­fähr­lich­er Stoff, ergänzt durch eine ange­passte Doku­men­ta­tion­spflicht“, so Ul­rich Marx, Haupt­geschäfts­führ­er des Zen­tralver­bands des Deutschen Dachdeck­er­hand­w­erks.

Ak­tive Umweltschütz­er

(Foto: ©jenslphotography _stock.adobe.com)
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Die nicht nur poli­tisch ge­wollte Auf­gabe des Umwelt- und Kli­maschutzes prägt das Dachdeck­er­hand­w­erk schon seit ger­aumer Zeit. Das fängt beispiel­sweise an bei der Er­rich­tung von Pho­to­vol­taik- oder So­lara­nal­gen auf dem Dach und set­zt sich beim An­brin­gen von Wärmedäm­mun­gen an den Wän­den fort. Auf Flachdäch­ern wer­den Gärten und Teiche an­gelegt, die so insbe­son­dere in Großstädten für ei­nen klei­nen ökol­o­gischen Aus­gleich sor­gen. Außer­dem verbessern de­rartige Bepflanzun­gen die Tem­per­a­tur­reg­ulierung des Ge­bäudes. Ste­fan Mülders | re­dak­tion@rhein-wup­per-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 06/2017



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(Foto: ©Kara _stock.adobe.com)
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(Foto: © Kadmy _stock.adobe.com)
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(Foto: ©contrastwerkstatt _stock.adobe.com)
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