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Gemeinsam unschlagbar

Sieben Industrie- und Handelskammern haben sich zur Initiative Rheinland zusammengeschlossen, um die Region im Standortwettbewerb zu stärken. Das wichtigste Ziel, die Gründung der „Metropolregion Rheinland“, wurde im Februar erreicht.

Bild oben: (Foto: © 360 Grad Design, Krefeld)
Wer bish­er geglaubt hat, die An­i­mositäten zwischen Köl­n­ern und Düs­sel­dor­fern seien unüber­wind­bar, dürfte sich An­fang die­s­es Jahres ver­dutzt die Au­gen gerieben haben. Die bei­den Rhein­metropolen haben sich im Fe­bruar zusam­men mit 33 weit­eren Städten, Kreisen und Ver­bän­den zur „Metropol­re­gion Rhein­land“ zusam­mengeschlossen und machen nun ge­mein­same Sache. Dass dies­er Schritt notwendig ist, erkan­n­ten die sechs In­dus­trie- und Han­del­skam­mern Aachen, Bonn/Rhein-Sieg, Düs­sel­dorf, Köln, Mittler­er Nied­er­rhein und Wup­per­tal-Solin­gen-Rem­scheid bere­its vor acht Jahren und grün­de­ten die „Ini­tia­tive Rhein­land“, die sich sei­ther für die ge­mein­same Ver­mark­tung des Rhein­lan­des als at­trak­tiv­er Wirtschafts­s­tan­dort einset­zt; im Jan­uar 2016 schloss sich mit der Nied­er­rheinischen IHK Duis­burg der siebte Mit­streit­er an.
„Das Rhein­land war und ist der ‚Hid­den Cham­pi­on‘ un­ter den Metropol­räu­men Deutsch­land­s“, sagt Dr. Ul­rich S. Soénius, stel­lvertre­ten­der Haupt­geschäfts­führ­er der IHK Köln. „Dies zu än­dern und das Rhein­land im na­tio­nalen sowie in­ter­na­tio­nalen Stan­dortwett­be­werb zu stärken war und ist ein vor­dringlich­es An­lie­gen der sieben In­dus­trie- und Han­del­skam­mern im Rhein­land.“
Wie stark die Re­gion schon jet­zt ist, verdeut­lichen einige Zahlen: So er­wirtschaftet das Rhein­land ein Brut­toin­land­spro­dukt von mehr als 330 Mil­liar­den Eu­ro und somit cir­ca die Hälfte des NRW-BIPs. Darüber hi­naus ist es mit 8,6 Mil­lio­nen Ein­woh­n­ern die bevölkerungs­reich­ste Metropol­re­gion und mit 700 Ein­woh­n­ern je Qua­dratk­ilome­ter auch eine der am dicht­esten be­siedel­ten in Deutsch­land. Ex­perten rech­nen hi­er bis zum Jahr 2025 so­gar mit einem weit­eren Bevölkerungswach­s­tum.

Sch­w­er­punkt In­fras­truk­tur

(Foto: © 360 Grad Design, Krefeld)
(Fo­to: © 360 Grad De­sign, Kre­feld)

Den­noch sie­ht die Ini­tia­tive Rhein­land Hand­lungsbe­darf, um die Leis­tungs­fähigkeit der Wirtschaft zu er­hal­ten. Ein be­son­deres Au­gen­merk liegt beispiel­sweise auf der Verkehrsen­twick­lung: Seit der Grün­dung set­zt sich die Ini­tia­tive für die Sanierung und den Aus­bau von Verkehr­swe­gen ein. Da das Rhein­land ein­er­seits als Stan­dort zahl­reich­er Un­terneh­men Aus­gangs- und End­punkt starken Quell- und Zielverkehrs ist und an­der­er­seits auf­grund sein­er Lage im Hin­ter­land der See­häfen Zee­brügge, Am­s­ter­dam, Rot­ter­dam und An­tw­er­pen (ZARA) wach­sende Waren­ströme verzeich­net, stellt die Er­hal­tung ein­er leis­tungs­fähi­gen In­fras­truk­tur eine be­son­dere Her­aus­forderung dar. Laut Verkehrsleit­bild 2016, das die Ini­tia­tive An­fang des Jahres vorstellte, wird die Güter­verkehrsleis­tung im Rhein­land bis zum Jahr 2030 um cir­ca 40 Prozent stei­gen; die Prog­nosen zei­gen außer­dem, dass der Güter­tran­sit auf der Straße bis 2030 um rund 52 Prozent und die Güter­verkehrsleis­tung auf der Schiene bis 2030 um rund 40 Prozent stei­gen wer­den.
In ihr­er „Wirtschaft­spoli­tischen Agen­da“ haben die In­dus­trie- und Han­del­skam­mern der Re­gion bere­its aufge­führt, welche Schritte notwendig sind, um in Zukunft eine funk­tions­fähige In­fras­truk­tur zu er­hal­ten oder wieder­herzustellen. Die Ini­tia­tive Rhein­land set­zt sich u.a. dafür ein, Brück­en zu sanieren, Bun­des- und Lan­de­spro­jekte zügig umzusetzen, das Baustel­len­ma­n­age­ment auszuweit­en, den Verkehrsträger Wass­er sowie den Verkehrsträger Schiene zu stärken und ein Lkw-Routenkonzept zu er­stellen.
Bil­dung und Fachkräftesicherung zählen eben­falls zu den zen­tralen The­men der Agen­da. Ziel ist es, Fachkräf­teeng­pässen in bes­timmten Branchen ent­ge­gen­zuwirken. Die Ini­tia­tive Rhein­land be­müht sich da­her, das In­teresse an – und die At­trak­tiv­ität – der be­trie­blichen, dualen Aus­bil­dung oder des dualen Studi­ums in der Re­gion zu er­höhen. Zu Let­zterem soll zu­dem die In­for­ma­tion­s­platt­form du­al-studieren-im-rhein­land.de der rhein­ländischen IHKs bei­tra­gen, auf der Schüler und Un­terneh­mer mehr über Stu­dienorte und -gänge sowie re­gio­nale beru­fliche Gym­nasien er­fahren.
Auf der Agen­da ste­ht darüber hi­naus das Vo­ran­treiben von Ko­op­er­a­tio­nen zwischen Wirtschaft und Wis­sen­schaft. Das gel­ingt beispiel­sweise durch das En­gage­ment der In­dus­trie- und Han­del­skam­mern im 2007 ge­grün­de­ten „Forschungs­dia­log Rhein­land“, in dem die IHKs als Vertreter der Un­terneh­men agieren. Die Ini­tia­tive Rhein­land erar­beit­ete u.a. die Broschüre „Er­fol­greiche Ko­op­er­a­tion­spro­jekte zwischen Wirtschaft und Forschung“, die weitere Fir­men zur Zusam­me­nar­beit mit wis­sen­schaftlichen Ein­rich­tun­gen in­spiri­eren soll.
Auf den Hand­lungsbe­darf in die­sem und an­deren The­men­bereichen kon­nte die Ini­tia­tive die Öf­fentlichkeit bere­its mit zahl­reichen Ak­tio­nen und Stu­di­en aufmerk­sam machen. Doch auch die in der Re­gion an­säs­si­gen Un­terneh­men wer­den auf di­rek­tem Weg un­ter­stützt: Das gel­ingt beispiel­sweise durch die Erar­bei­tung von Pub­lika­tio­nen wie dem En­ergie­ef­fizienz-Lot­sen oder mit Ve­r­an­s­tal­tun­gen wie dem regelmäßig stattfin­d­en­den „e-Mar­ket­ing­day Rhein­land“.

Metropol­re­gion im Fokus


Mit der Grün­dung der Metropol­re­gion kon­nte das wichtig­ste Ziel bere­its er­reicht wer­den. Diese En­twick­lung ist zwar nicht aussch­ließlich auf die Ini­tia­tive Rhein­land zurück­zuführen, die sieben IHKs gaben je­doch den An­s­toß und leis­teten ei­nen maßge­blichen Bei­trag zum Gelin­gen des Pro­jektes. Die Re­gion als Marke zu etablieren sa­hen die Ve­r­ant­wortlichen von Be­ginn an als Vo­raus­set­zung für das zukünftige Beste­hen im in­ter­na­tio­nalen Wett­be­werb an. So or­gan­isierte die Ini­tia­tive schon 2011 un­ter dem Mot­to „Einzeln stark, ge­mein­sam un­sch­lag­bar“ den „Metropolenkongress Rhein­land“.
„Sehr aufmerk­sam ver­fol­gen und un­ter­stützen wir nun die Ar­beit des ge­grün­de­ten Metropol­re­gion Rhein­land e.V. Wir haben ange­boten, einige der bish­er von uns angetriebe­nen Rhein­land-The­men an die­sen neuen Verein zu über­tra­gen“, sagt Dr. Ul­rich S. Soénius. „Sch­w­er­punkte des Vereins sind Verkehr und In­fras­truk­tur, Bil­dung und Forschung, Stan­dort­mar­ket­ing sowie Kul­tur und Touris­mus. In der IHK-Ini­tia­tive Rhein­land wer­den wir se­hen, welche The­men über den Metropol­re­gion Rhein­land e.V. bear­beit­et wer­den und welche weit­er­hin in unser­er alleini­gen Ve­r­ant­wor­tung bleiben.“ Dies werde sich im Laufe die­s­es Jahres klären.
Un­ab­hängig von der Metropol­re­gion kön­nen die IHKs auch ins­ge­samt auf eine er­fol­greiche und vor allem rei­bungs­lose Zusam­me­nar­beit in den ver­gan­ge­nen acht Jahren zurück­blick­en. „IHKs sind re­gio­nale Ein­rich­tun­gen und das ist gut so, da so die Be­darfe und In­teressen der re­gio­nalen Wirtschaft best­möglich vertreten wer­den. Selb­stver­ständlich gibt es The­men, die über­re­gio­n­al rel­e­vant sind, wie z.B. das The­ma In­fras­truk­tur. Da liegt die Zusam­me­nar­beit auf der Hand.“ So sei es auch er­st­mals gelun­gen, eine ge­mein­same Stel­lung­nahme der Wirtschaft und der Ge­bi­et­skör­per­schaften des Rhein­lands zum Bun­desverkehr­swege­plan abzugeben.
Von der Bevölkerung wird die Idee der Zusam­me­nar­beit eben­falls pos­i­tiv aufgenom­men. Sch­ließlich ist die Iden­ti­fika­tion mit der Re­gion spür­bar vorhan­den: „Die Men­schen im Rhein­land iden­ti­fizieren sich mit dem Rhein­land, ihr­er Stadt und ihr­er Re­gion. Ein en­twed­er oder ist bei den meis­ten gar nicht gegeben“, erk­lärt Dr. Soénius. „In­ter­na­tio­n­al ist eher das Rhein­land bekan­nt und bi­etet viele Chan­cen der ge­mein­sa­men Ver­mark­tung.“

Jes­si­ca Hell­mann | re­dak­tion@rhein-wup­per-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 05/2017



WEITERE INHALTE

Dr. Ulrich S. Soénius, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Köln (Foto: IHK Köln / Peter Boettcher)
Dr. Ulrich S. Soénius, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Köln (Foto: IHK Köln / Peter Boettcher)